"Eine Region der Gegensätze"

Landrat Thomas Schiebel im Interview

Die traditionsreiche Verbraucherausstellung MSP-EXPO eröffnet im September wieder ihre Tore in Lohr a.Main. Fünf Tage lang zeigen Aussteller aus der Region Main-Spessart, was ihre Heimat so einzigartig macht. Landrat Thomas Schiebel hat uns vorab im Interview verraten, warum er die Region so schätzt.

Herr Schiebel, was ist das Einzigartige an Ihrer Region?
Thomas Schiebel: Ich fasse mich kurz: Die Region bietet ein spannendes Entwicklungspotential dank ihrer Gegensätze. Vor über 20 Jahren wurden in einem Leitbild für „Main-Spessart - lebenswerter Wirtschaftsraum mit Zukunft“ mehrere Ziele formuliert, unter die die weitere Entwicklung unseres Landkreises als „ländlich strukturiert und gleichzeitig wirtschaftsstärkster Kreis Mainfrankens“ eingeordnet werden sollte.
Neben der zentralen Schnittstellenlage in den Ballungsräumen Frankfurt-Rhein-Main, Stuttgart-Heilbronn, Nürnberg-Erlangen und Erfurt-Eisenach wurde damals vor allem die Spannung, die in den Gegensätzen liegt, als Chance erkannt und gefördert. So zeichnet sich die Region durch große, moderne Industriebetriebe und zahlreiche kleinere Betriebe, als ländlich strukturiert und wirtschaftsstark aus. Wirtschaft und Umwelt befinden sich im Gleichgewicht. Dass es gelungen ist, die Entwicklung auf breiter Ebene erfolgreich voranzubringen, zeigen uns die seit Jahren beständig guten und sich verbessernden Plätze in bundesweiten „Lebens-/ Wirtschafts-/ Bildungs- Standort“ Rankings.

Warum sollte jemand zum Beispiel aus Oberbayern zu Ihnen in die Region ziehen?
Schiebel: Der Main-Spessart-Kreis bietet in vielerlei Hinsicht eine hohe Lebensqualität. Unsere Region hat eine weltoffene und zentrale Lage: Der Frankfurter Flughafen ist gut zu erreichen, und der Würzburger Bahnhof, mit dem ICE Knotenpunkt, sichert eine hervorragende Anbindung an das Schienennetz. Weiterhin bietet der Landkreis hervorragende Freizeitmöglichkeiten. Die vielfältige Natur lädt zum Wandern, Radfahren oder Paddeln ein. Es ist für Jeden etwas dabei. Unzählige Kulturveranstaltungen, Weinfeste und eine ausgezeichnete Gastronomie verbinden Erholung und Genuss. Auch als Arbeitsort bietet der Landkreis mit vielfältigen und soliden Arbeitgebern, die bodenständig verankert und international aktiv sind, beste Voraussetzungen. Nicht unerwähnt bleiben sollte, dass der Main Spessart-Kreis– im Vergleich zu anderen Landkreisen - mit einer geringen Kriminalitätsrate eine hohe Sicherheit zu bieten hat.

Welche Lieblingsorte in Ihrer Heimat empfehlen Sie Besuchern?
Schiebel: Gerne besuche ich die Bayerische Schanz mit ihrer historisch bedeutsamen Grenzlage an europaweit verbindenden Straßen (Amsterdam – Frankfurt – Hanau – Gemünden – Nürnberg – Prag). Auch das Edelweiß in Karlstadt ist eine sehenswerte Anlaufstelle, die nicht nur mich begeistert. Hier wird einem ein einzigartiges Panorama geboten, ein weitreichender Blick über Spessart und Weinland.

Was sollte auch ein Alteingesessener unbedingt gesehen haben?
Schiebel: Interessant ist der Eisenhammer bei Hasloch, eine der Wiegen unseres heutigen Wohlstandes. Die Hütten Aurora, Sylvan und die Karlshöhe verkörpern die bodenständige Gastfreundschaft im Spessart, die Winzerhütten (Gambach und Retzbach) sind äquivalente Beispiele im Weinland. Sie alle sind einen Besuch wert. Eine besondere Augenweide stellen die Wasserfälle Tretstein bei Gräfendorf dar, ebenso wie die vielen historischen Ruinen und Burgen, die im Landkreis verteilt aufzufinden sind.

Wie präsentiert sich der Landkreis auf der MSP-EXPO?
Schiebel: Der Landkreis präsentiert sich zum einen zentral in der Halle A gemeinsam mit der Stadt Lohr. Wir umrahmen den Auftritt der Stadt, der ergänzt wird durch einige ILE-Initiativen und Kommunen und nicht zuletzt durch unser bewährtes Team von den Weltladen-Cafes im Landkreis. Darüber hinaus sind das Klinikum Main-Spessart und unsere Kollegen des ÖPNV starke Zugpferde in den benachbarten Themenhallen. Und für die Jugend bietet unsere Kommunale Kreisjugendpflege im eigenen „Dome“ viele verschiedene Angebote.

Wer macht mit? Welche Aktivitäten werden angeboten?
Schiebel: Wir zeigen ein umfangreiches Spektrum unseres Dienstleistungs- und Serviceangebotes, angefangen vom Landkreis als zuverlässigen Arbeitgeber mit unseren zahlreichen Aus- und Weiterbildungsbildungsmöglichkeiten, dem Gründerservicenetz und dem Virtuellen Landratsamt – denn mittlerweile sind auch wir im Bereich Social Media aktiv. Wir variieren täglich unsere Themen, angefangen von der Papiermühle über das Spessartmuseum, bis hin zur Betreuungsstelle, den Schulen, Kreisjugendring, der Abfallwirtschaft und vieles mehr. An allen Tagen präsentieren sich die Main-Spessart Informationszentrale für Touristik, oder auch die Behindertenbeauftragte des Landkreises mit einem sehr interessanten Messestand zum Thema „Behindertengerechtes Wohnen“.

Wo steht der Landkreis Main-Spessart in zehn Jahren?
Schiebel: Die Attraktivität und die Lebensqualität wird zunehmend davon abhängen, wie wir die augenblicklichen Herausforderungen der Mobilität (Feinstaubbelastungen/attraktiver und praktikabler ÖPNV) meistern. Wenn es gelingt, Würzburg „feinstaubfrei“ zu bekommen, indem wir unser Oberzentrum u.a. auch für die Main-Spessarter schnell, effektiv und umweltfreundlich erreichbar machen, wird der ländliche Raum in Main- Spessart wieder wesentlich attraktiver hinsichtlich des Wohn- und Lebensraumes. Dann werden wir im bundesweiten Ranking unsere recht gute Platzierung im obersten Viertel behaupten und verbessern können.

Welche Leuchtturmprojekte gibt es aktuell?
Schiebel: Wir initiieren momentan sehr viele Projekte, die in der Zukunft greifen werden. Eine moderne wohnortnahe medizinische Versorgung der Bevölkerung ist auch in Zukunft ein starker Standortfaktor. Wir bieten das dann mit einem neu gebauten zentralen Klinikum in Lohr a.Main. Zudem arbeiten wir zurzeit an einem bedarfsgerechten Mobilitätskonzept, das u.a. auch zukunftsträchtige Modelle wie eCarsharing beinhaltet. Ich hoffe, dass wir weiterhin die niedrigste Arbeitslosenquote in Unterfranken halten können, getragen durch die Stärke unserer heimischen Wirtschaft, mit einer gesunden Mischung aus Handwerksbetrieben, Mittelstand und Global Playern. Und wir bieten optimale Bildungsmöglichkeiten in den sanierten Schulen des infrastrukturell hervorragend erschlossenen Landkreises Main-Spessart. Wer möchte hier nicht leben?

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