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„Die Honigbiene wird die Menschheit überleben“

Imker Richard Wöber spricht im Interview über die Zukunft der Biene

„Die Honigbiene wird die Menschheit überleben“

Der Biene geht es schlecht, sagen Umweltschützer und Imker. Insektizide machen ihr den Garaus. Aber damit nicht genug. Es gibt eine Vielzahl an Gründen für das Bienensterben. Auf der bevorstehenden MSP-EXPO in Lohr a.Main informieren heimische Imker über die Zukunft der Biene. Richard Wöber, 1. Vorsitzender des Imkervereins Lohr und Umgebung, hat vorab ein paar Fragen zum Gesundheitszustand der fleißigen Biene beantwortet.

Herr Wöber, wie geht es den Bienen in Ihrer Region?
Wöber: Die meisten Menschen denken zuerst an die Honigbiene. Wir dürfen auch die anderen Bienenarten wie Solitär-, Wildbienen und Hummeln nicht vergessen. Den Honigbienen geht es gar nicht so schlecht, wie immer gesagt wird. Das Bienensterben in Deutschland ist, meiner Meinung nach, eher ein Imkersterben, vom aktuellen Trend zur Imkerei mal abgesehen. Früher gab es mehr Imker mit durchschnittlich 10 bis 20 Völkern, fast jede Ortschaft hatte einen Imkerverein. Heute sind es bedeutend weniger. Außerdem ist die Motivation zu imkern eine andere. Viele möchten die Natur schützen und produzieren keinen Honig.

Eine Gefahr für unsere Bienen ist die Varroamilbe, die vor rund 40 Jahren eingeschleppt wurde. Sie ist schuld daran, dass die Honigbienen in freier Natur fast immer nach spätestens zwei Jahren eingehen. Eine rein natürliche Bienenpopulation wie vor der Milbe ist daher derzeit gar nicht denkbar. Viele Imker haben auch Wissensdefizite bei der Bekämpfung. Ein weiterer Grund für das Sterben ist die zunehmende Industrialisierung der Landwirtschaft und damit abnehmende Biodiversität. Es gibt immer weniger Blühflächen für die Wildbienen. Die haben keine Lobby wie die Imker.

Um auf Ihre Frage zurückzukommen, wie es den Bienen in der Region geht: Der Landkreis Main-Spessart ist zweigeteilt. Im östlichen Bereich, Fränkische Platte, haben wir zum Teil intensive Landwirtschaft. Acker grenzt an Acker. Es gibt zwar noch stellenweise Gehölzabschnitte und kleinere Wälder, aber eine Verbesserung wäre durchaus nötig. Im Maintal und im Spessart ist die Situation besser, da finden Wildbienen und Hummeln in der Regel genug Nahrung und Nistplätze. Die Vereine in den größeren Ortschaften halten hin und wieder Imkerkurse und Infoabende ab und sorgen damit für Nachwuchs und Wissensverbesserung.

Was sind die größten Bedrohungen für die Tiere?
Wöber: Wie gesagt, der Bestand der Honigbiene wird vor allem von der Varroamilbe bedroht. Die Tiere werden parisitiert, geschwächt und mit Krankheiten infiziert. Ein eigenständiges Überleben ist nur vereinzelt möglich ist. Wir bekämpfen die Milbe bevorzugt mit „natürlichen“ Mitteln wie biotechnischen Verfahren und Ameisensäure bzw. Oxalsäure. Andererseits wird auch über Zucht und Selektion versucht, den Bienen beizubringen die Varroamilbe selbständig zu bekämpfen. Des Weiteren ist die Strukturverarmung der Landwirtschaft Gefahr für die Bienen. Ein Rapsacker versorgt Bienen für wenige Wochen. Was kommt danach? Wenn Acker an Acker grenzt, würden Bienen innerhalb weniger Tage verhungern. Brachliegende Wiesen, Blühstreifen oder Hecken sind selten geworden. Dabei sind das die „Bio-Inseln“, in denen Bienen Nahrung und Unterschlupf finden.

Wie können wir den Bienen helfen, ohne selbst zu imkern?
Wöber: Die Insekten bevorzugen naturnahe Gärten. Auch ein intelligenter Blumenkasten auf dem Balkon mit Wildkräutern statt Geranien bietet Bienen Nahrung. Geranien hingegen werden von den Insekten nicht angeflogen. Auch ein Wildbienenhotel ist eine schöne Sache. Am besten man kauft Honig vom lokalen Imker. Der schmeckt besser, und man unterstützt die Imker vor Ort. Auch ein Imkerkurs kann das nötige Bewusstsein schaffen.

Wie geht es den Bienen in zwanzig Jahren, Ihrer Meinung nach?
Wöber: In 20 Jahren werden wir durch den Klimawandel eine deutlich veränderte Naturlandschaft haben. Das Bewusstsein, dass sich etwas ändert, ist bereits da. Ich stelle immer wieder großes Interesse fest. Viele Menschen sind bereit, sich persönlich zu engagieren, sei es nur durch kleine Verhaltensänderung. Auch in der viel gescholtenen Landwirtschaft. Gerade bei Schul- und Kindergartenbesuchen sind Begeisterung und auch das vorhandene Wissen sehr hoch. Die nächste Generation ist sensibilisiert und bestimmt auch willens sich zu agieren. Mit etwas Glück schaffen wir es, die Agrarpolitik dahin zu bewegen, ökologisch etwas ausgeglichener zu agieren. Viele junge Landwirte denken bereits um und interessieren sich für lang blühende Energiepflanzen als Alternative zum Mais.

Von Imker-Seite aus habe ich die Hoffnung, dass es bis dahin den Bienen zumindest teilweise beizubringen, die Varroamilbe selbst besser zu bekämpfen. Das sieht im Moment gar nicht mal so schlecht aus. Irgendwann wird sich auch da ein natürliches Gleichgewicht einstellen. Die Honigbiene wird die Menschheit auf jeden Fall überleben.

Wie sieht Ihr ganz persönlicher Beitrag zum Schutz der Bienen aus?
Wöber: Ich bin Imker und versuche meine Bienen möglichst „in gegenseitigem Respekt“ zu halten. Daneben kümmere ich mich als Vereinsvorstand um Weiterbildung und Organisation allerlei bienenfördernder Maßnahmen, bringe immer wieder Kindergärten, Schulklassen und Jugendgruppen die Bienen näher und wirke bei den von uns gehaltenen Imkerkursen maßgeblich mit. Daneben bin ich im Auftrag des Landratsamtes als Wespen- und Hornissenberater tätig. Ich zeige Hilfe suchenden Mitbürgern wie sie mit Wespen umgehen können oder helfe in Zweifelsfall bei der Umsiedlung.

Welche Empfehlungen geben Sie den Besuchern der MSP-EXPO mit auf den Weg?
Wöber: Auf der Messe wollen wir einen Blick in unsere Welt, unser Tun und die Bedeutung der Bienen für unsere Umwelt und Nahrungsversorgung geben. Schließlich ist die Honigbiene das drittwichtigste Nutztier, noch vor dem Geflügel. Nicht zuletzt möchten wir auch auf die zahlreichen Hobby-Imker in der Region aufmerksam machen und die Besucher animieren eines unserer wertvollsten Lebensmittel, das zum Teil vielleicht auch in ihrem eigenen Vorgarten mitproduziert wurde, öfter auf den Frühstückstisch zu stellen.

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